Stimmbildung im Kinderchor
Kinderchor
Bei einem Kinderchor muss der Chorleiter völlig andere Ansprüche an eine Stimmbildung stellen, als bei einem Erwachsenenchor. Der Stimmapparat eines Kindes verändert sich während der Mutation. Ein Kind ist kein verkleinerter Erwachsener, sondern es gelten neben anderen Interessen auch andere anatomische Verhältnisse. Auf folgende Dinge sollte geachtet werden:
· Die Lieder sollen in einer Tonart stehen, die für Kinder geeignet ist (hohe Lage, z.B. Grundton: „f“)
· Leises Singen mit vordersitzigen Vokalen von oben nach unten schult die Stimme. Beispiel: „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum“.
· Dauerhaftes tiefes und lautes Singen in der Bruststimmlage schadet dem Stimmapparat: Es können sich Knötchen, Ödeme oder Schwellungen an den Stimmlippen bilden. Die Klangqualität ist metallisch gepresst. Das Singen in der Kopfstimme geht verloren.
· Kinder singen gern in unterschiedlichen Skalen. Es sollte keineswegs immer nur die dem Chorleiter bequeme Dur-Tonart sein. Beispiel: „Es führt über den Rhein eine Brücke von Stein“.
· Wie mit den Skalen verhält es sich auch mit Taktarten. Es muss nicht immer nur der Vierer- oder Dreiertakt sein. Auch rhythmische Spiele mit zusammengesetzten Taktarten (5-er, 7-er oder 9-er) stellen für die Kinder eine Herausforderung dar, die sie gekonnt und ausdauernd meistern.
Man sollte sich keineswegs von Äußerungen beeindrucken lassen, die einen in der Bruststimme laut plärrenden Kinderchor als „guten Kinderchor, den man wenigstens hört“, auszeichnen. Jeder Leiter eines Kinderchores hat eine Verantwortung gegenüber seinen SängerInnen. Er sollte sich auch nicht scheuen, bei Kindern, die stimmliche Auffälligkeiten wie sehr schnelle oder dauerhafte Heiserkeit sowie gepresste, raue oder hauchige Stimmgebung aufweisen, deren Eltern zu kontaktieren und ggf. auch den Besuch eines Facharztes zu empfehlen.